Von der gegenseitigen Hilfe zur Gefahrengemeinschaft

 

Wir sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Auch wenn wir das nicht gerne wahrhaben wollen, ist unsere Existenz ständig bedroht. Bedroht sind wir einmal durch unglückliche Zufälle, dann aber auch durch Naturkatastrophen und schliesslich auch durch unser eigenes Verhalten und das Verhalten anderer Personen.

 

Grössere Schicksalsschläge können wir meisten nicht mehr alleine bewältigen. Aus diesem Grund organisieren wir uns in Gemeinschaften. Die Gemeinschaft gibt uns Sicherheit und das Gefühl  von Geborgenheit. Mit gemeinsamer Kraft können wir uns besser gegen Bedrohungen absichern und die Folgen von Unglücken bewältigen.

 

Grundform der Gemeinschaft ist die Familie. Ursprünglich waren es Grossfamilien (man sagt auch Sippe) die meist von einem Oberhaupt geführt wurden, und es war selbstverständlich, dass alle Mitglieder der Grossfamilie sich gegenseitig halfen.

 

Die junge Generation hatte jeweils für den Lebensunterhalt der alten zu sorgen. Es gehörte zu den Pflichten, verunfallte, kranke und schwache Mitglieder mitzutragen und Krisensituationen gemeinsam durchzustehen.

 

Die Grossfamilie war die Altersvorsorge, die Krankenversicherung usw.

 

Heute lebt bei uns fast niemand mehr in solchen Familienverbänden. Trotzdem besteht das Prinzip der freiwilligen Hilfe aus der Solidarität weiter:

 

  • Im engen Familien – und Freundeskreis. Hier nehmen wir Anteil aneinander und helfen, wenn jemand in der Patsche steckt.
  • Ausserhalb des engsten Umfelds. Viele Leute setzen sich für die Gemeinschaft ein, z.B. durch Arbeit im Jugendtreff, in Vereinen oder bei der Dorffeuerwehr. Dies geschieht oft freiwillig  und ohne Bezahlung.
  • Auch in anonymen städtischen Verhältnissen können wir Beispiele von freiwilliger gegenseitiger Hilfe finden. Etwa wenn ein junger Mann einer Mutter in die S-Bahn den Kinderwagen trägt.
  • Sehr lebendig wird der Gedanke der gegenseitigen Hilfe aus Solidarität schliesslich, wenn sich irgendwo grosse Katastrophen ereignen.
 

Die Bereitschaft zur freiwilligen gegenseitigen Hilfe aus Solidarität lebt also auch in unserer modernen Welt. Damit das Netzwerk der freiwilligen Solidarität nicht überfordert  wird, sind Rechte und Pflichten der Beteiligten verbindlich geregelt worden. Solche verbindlich organisierten Netzwerke bezeichnet man als Gefahrengemeinschaften.

 

Hinter eine Gefahrengemeinschaft steht das Prinzip der Gegenseitigkeit  – Einer für alle, alle für einen  -. Mehrere oder sogar viele Menschen sind den gleichen Gefahren ausgesetzt.  Die schutzbedürftige Menschen vereinbaren deshalb, sich in einer bestimmten Gefahrensituation beizustehen und die Folgen gemeinsam zu tragen. Eine Last, die einen allein überfordern würde, wird auf mehrere Schultern verteilt.

 

Nun ist es aber in unserer modernen und komplizierten Welt so, dass viele Personen ähnliche Sicherheitsbedürfnisse haben. Deshalb hat sich die Idee der Gefahrengemeinschaft im Laufe der Zeit zur Versicherung weiterentwickelt.

 

Auch die Versicherung ist im Prinzip eine Gefahrengemeinschaft. Sie hat aber die Besonderheit, dass die beteiligten Personen sich nicht mehr selber organisieren. Vielmehr sorgt eine professionelle Organisation, das Versicherungsunternehmen, dafür, dass die Gefahrengemeinschaft funktioniert.

 

Auch der Staat übernimmt eine bedeutende Rolle im Sicherheitsnetzwerk. Unsere solidarische Leistung erbringen wir hauptsächlich über finanzielle Abgaben (Steuern und Gebühren). Diese Mittel verwendet der Staat, um unzählige Leistungen zu erbringen.

 

 

Kurze Zusammenfassung:

 

Unsere Existenz ist ständig bedroht. Unglückliche Zufälle, Naturkatastrophen, unser eigenes Verhalten und das Verhalten anderer Personen gefährden unsere Gesundheit, unser Leben und unser Hab und Gut.

Wir bilden Gemeinschaften und gemeinsam können wir uns besser vor Bedrohungen schützen und Schicksalsschläge bewältigen.

Die Familie ist eine wichtige Gemeinschaft. In der Familie herrscht das Prinzip der freiwilligen gegenseitigen Hilfe aus Solidarität.

Wo die freiwillige Hilfe nicht ausreicht, bilden wir Gefahrengemeinschaften mit verbindlichen Regeln. Es gilt das Prinzip „Einer für alle, alle für einen“

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